Bei der seit rund 20 Jahren etablierten Enzymersatztherapie wird das fehlende Enzym, die ß-Glukozerebrosidase, biotechnologisch hergestellt und dem Körper als Infusion zugeführt. So können die in den Gaucher-Zellen gespeicherten Glukozerebroside abgebaut werden. Man kann dies mit der Insulinersatztherapie bei der Zuckerkrankheit (Diabetes) vergleichen; hier fehlt das Insulin, so dass die Glukose (Zucker) nicht mehr ausreichend verstoffwechselt wird. Wie alle Substanzen im Körper wird auch das zugeführte Enzym Glukozerebrosidase wieder abgebaut. Aus diesem Grund muss die Enzymersatztherapie regelmäßig und ein Leben lang durchgeführt werden. Im Gegensatz zur symptomatischen Behandlung wirkt die Enzymersatztherapie in allen betroffenen Organsystemen (Leber/Milz, Blut, Knochen) und beseitigt die Ursache der Gaucher-Symptome. Daher spricht man auch von einer kausalen Therapie.

Den Patienten wird das fehlende Enzym
per Infusion zugeführt
Mit freundlicher Genehmigung von Genzyme
Die Blutarmut (Anämie) kann gebessert werden, da die verminderte Anzahl roter Blutkörperchen wieder zunimmt und sich meist normalisiert.
Es kann auch zu einem Anstieg der für die Blutgerinnung zuständigen Blutplättchen und damit zu einer verringerten Blutungsneigung kommen.
Die vergrößerte Leber und Milz können sich wieder zurückbilden.
Im Knochenmark kann es zu einer Reduktion der Gaucher-Zellen und damit zu einer Normalisierung der Knochenmarkfunktion kommen.
Die durch die Gaucher-Erkrankung verminderte Knochendichte nimmt in der Regel wieder zu, Knochenschmerzen gehen meist deutlich zurück. Knochenkrisen verschwinden fast völlig.
Das zugeführte Enzym sorgt dafür, dass bereits gespeichertes Glukozerebrosid abgebaut wird und keine weitere Ablagerung von Glukozerebrosid in den Gaucher Zellen erfolgen kann.
Regelmäßige Infusionen des Enzyms führen zu einer Verbesserung bis Normalisierung der körperlichen Beschwerden und können das Fortschreiten der Erkrankung verhindern.
Die Enzymersatztherapie ist zugelassen für die Behandlung des Morbus Gaucher Typ 1 und 3 (nur die nicht-neurologischen Manifestationen).
Die Infusionstherapie ermöglicht vielen Gaucher-Patienten bei frühzeitiger Diagnose ein weitgehend normales Leben. Allerdings sind nicht alle Spätschäden reversibel: Insbesondere fortgeschrittene Knochenveränderungen, wie die Zerstörung des Hüftgelenkkopfes, können bei zu spätem Einsatz des Enzyms nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Die Dosierungsmenge des Ersatz-Enzyms muss spezifisch an den Krankheitsverlauf und die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Wie alle körpereigenen Substanzen wird auch das zugeführte Enzym immer wieder abgebaut. Daher müssen Gaucher-Patienten regelmäßig ihr ganzes Leben lang Enzyminfusionen bekommen.
Für Erwachsene gelten in den großen deutschen Zentren folgende Behandlungsrichtlinien, um den Nutzen möglichst groß und die Kosten der Therapie möglichst gering zu halten:
Eine hohe Dosis erhalten Patienten, die sowohl schwere Skelettkomplikationen als auch massive Vergrößerungen von Leber und/oder Milz mit Blutbildveränderungen aufweisen.
Mittlere Dosierungen bekommen Patienten mit deutlicher Vergrößerung von Leber und Milz bzw. mit Blutbildveränderungen und weniger schweren Beeinträchtigungen des Skeletts.
Eine niedrige Dosis verabreicht man Patienten, die eine Vergrößerung von Leber und Milz mit entsprechenden Blutbildveränderungen, aber keine wesentlichen Knochenveränderungen haben.
Die Infusionstherapie wird bei den meisten Patienten über einen Zeitraum von 1-2 Stunden alle 14 Tage über eine Vene verabreicht. Die Infusionstherapie ist im Allgemeinen sehr sicher und hat nur sehr selten Nebenwirkungen. Sie kann auch vom Hausarzt oder sogar als “Heim"-Infusion durchgeführt werden.