Die Behandlung des Morbus Gaucher

[Behandlung der Symptome | Knochenmarkstransplantation | Enzymersatztherapie | Substratinhibitoren ]
 


Die Behandlung der Symptome Bis vor kurzem beschränkte sich die Betreuung und Therapie der Morbus Gaucher-Patienten darauf, die Symptome, die durch die Ansammlung von Gaucher-Zellen in den verschiedenen Organen entstanden, zu lindern. Die sorgfältige Überwachung der Leber und/oder Milzgröße sowie Blutanalysen helfen dem Arzt, die richtige Therapie zu finden. Je nach Schwere der Symptome zählen hierzu die folgenden Maßnahmen (entweder allein oder auch kombiniert): Bettruhe, Analgetika ohne Aspirin (Aspirin verhindert die Blutgerinnung und ist für Gaucher-Patienten nicht geeignet), entzündungshemmende Medikamente gegen akute und chronische Schmerzen, Bio-Feedback Techniken zur Schmerzbekämpfung, eine hyperbarische Sauerstofftherapie zur Behandlung von Knochenkrisen, sowie die Entfernung der Milz (ganz oder teilweise) bei schwerer Anämie und niedriger Blutplättchenzahl. Die Sauerstofftherapie ist eventuell angezeigt bei Patienten, deren Lungen schlecht mit Blut versorgt werden. Eine niedrige Zahl von Blutplättchen, die durch die Überaktivität der mit Gaucher-Zellen belasteten Milz entsteht, wird manchmal mit Blut- und/oder Blutplättchentransfusionen behandelt oder mit einer Eisentherapie, um die Anämie zu beseitigen. Bei dauerhaft schlechten Blutwerten wird oft eine ganze oder teilweise Entfernung der Milz in Erwägung gezogen. Keine dieser Behandlungsmethoden ist zufriedenstellend. Die Eisentherapie erhöht das Risiko einer Hämochromatose (dabei ist zuviel Eisen im Blut), während die Milzentfernung die Anfälligkeit für Infektionen fördert und zu einer vermehrten Ansammlung von Gaucher-Zellen in der Leber und den Knochen führen kann. Deshalb schiebt man eine Milzentfernung so lange wie möglich hinaus und zieht eine teilweise Entfernung (die schwieriger ist) vor. Viele der Knochenkomplikationen beim Morbus Gaucher erfordern eine Beurteilung und Hilfe durch einen Orthopäden. Zum einen sind eventuell Operationen nötig, um beschädigte Knochen von Druck zu befreien, zum andern müssen vielleicht Prothesen in Gelenke eingesetzt werden (z. B. in der Hüfte), die durch die Krankheit zerstört worden sind. Bei schwerkranken Gaucher-Patienten wurden auch Knochenmarktransplantationen als Behandlungsmethode ausprobiert. 


Die Knochenmarkstranstplantationtion

Die Knochenmarkstransplantation wurde bei einigen Patienten durchgeführt. Hierbei benötigt man einen geeigneten Spender. Wenn dieser gefunden ist wird zuerst mit einer Bestrahlungtherapie begonnen um das eigene Knochenmark abzutöten. Anschliessend kann das Knochenmark dann transplantiert werde. In Deutschland wurde so eine Knochmarkstransplantation bei einem Gaucherpatienten in Jena durchgeführt. Weiter Informationen können Sie in einem Erfahrungsbericht des Patienten lesen. 

Die Enzymersatztherapie

Da Patienten mit Morbus Gaucher das Enzym Glucocerebrosidase fehlt, liegt der direkte und logische Therapieansatz zu dieser Erbkrankheit darin, das fehlende Enzym zu ergänzen oder zu ersetzen. Dr. Roscoe Brady war der Pionier bei der Entwicklung dieser Therapie am National Institute of Health. Die ersten Untersuchungen am natürlichen Enzym Glucocerebrosidase zeigten aber, dass es nicht besonders effektiv war, wenn es den Patienten intravenös zugeführt wurde. Nur ein kleiner Teil erreichte die "Gaucher-Zellen" im Körper. Dr. Brady entwickelte deshalb eine modifizierte Form des Enzyms Glucocerebrosidase, die von den Makrophagen (den Zellen, in denen das Enzym benötigt wird) besser aufgenommen wird. Durch klinische Tests mit modifizierter Glucocerebrosidase wurde gezeigt, dass wiederholte Infusionen mit dem Enzym die Krankheitssymptome verringern und sie sogar zum Stillstand bringen. Für Spezialisten in der Behandlung des Morbus Gaucher ist diese Entwicklung sehr bedeutend, da sie den ersten therapeutischen Durchbruch darstellt. Die Zufuhr der Glucocerebrosidase muss lebenslang in regelmäßigen Abständen erfolgen.  In der Studie von "Weinreb NJ, Charrow J, Andersson HC, Kaplan P, Kolodny EH, Mistry P, Pastores G, Rosenbloom BE, Scott CR, Wappner RS, Zimran A. Effectiveness of enzyme replacement therapy in 1028 patients with type 1 Gaucher disease after 2 to 5 years of treatment: a report from the Gaucher Registry. Am J Med. 2002 Aug 1;113(2):112-9" wurde der Effekt der Enzymersatztherapie an einer großen Anzahl von Patienten zusammengefasst.


Substratinhibitoren

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMEA) hat am 25. Juli 2002 im CPMP/3247/01 dem britische Biotechnologie-Unternehmen Oxford GlycoSciences (OGS) die Marktzulassung für Zavesca erteilt. Zavesca (Wirkstoff: Miglustat) ist ein orales Präparat zur Behandlung von Patienten, die an leichter bis mittelschwerer Typ-1 Gaucher leiden und für die die Enzymsubstitutionstherapie ungeeignet ist. Durch Hemmung der Glukocerebrosidentstehung wird weniger von dieser Substanz gebildet, die anschließend von der Glukocerebrosidase abgebaut wird (in vielen Artikeln heißt diese Strategie auch Substrathemmung, Substratverarmung oder Substratinhibition, wobei das Wort "Substrat" die Glukocerebroside meint und das Wort "Inhibition" Hemmung bedeutet). Es entstehen also nach Gabe von Glucosylceramid-Synthase-Hemmstoffen (Substratinhibitoren) weniger Glukocerebroside als dies normalerweise der Fall ist. Der Nachteil an Zervesca ist, dass auch andere Substrate gehemmt werden, was zu Nebenwirkungen führen kann.
Die Wirksamkeit wurde in der Studie mit 100 mg TID von "Cox T, Lachmann R, Hollak C, Aerts J, van Weely S, Hrebicek M, Platt F, Butters T, Dwek R, Moyses C, Gow I, Elstein D, Zimran A. Novel oral treatment of Gaucher's disease with N-butyldeoxynojirimycin (OGT 918) to decrease substrate biosynthesis. Lancet. 2000 Apr 29;355(9214):1481-5" nachgewiesen. Die Studie von "Heitner R, Elstein D, Aerts J, Weely S, Zimran A. Low-dose N-butyldeoxynojirimycin (OGT 918) for type I Gaucher disease. Blood Cells Mol Dis. 2002 Mar-Apr;28(2):127-33" zeigte dass 50 mg TID nicht ausreichend ist. Ein Vergleich der Ergebnisse der oberen Studie mit Patienten die eine die Enzymersatztherapie bekommen und den Ergebnissen der Substrathämmerstudien zeigen, dass die Enzymersatztherapie besser anschlägt. Prof. Dr. Claus Niederau hat freundlicherweise einen Artikel zu diesem Thema zur Verfügung gestellt.

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Letzte Änderung 31.12.02 Claudia Riedel